Oben auf dem Pass

Wie ein Hauch den lichten Glanz
der polierten Eichenplatte,
hüllt ein Staub den Jugendkranz,
sanft vom Frischen in das Matte.

Und die kräftig roten Farben
tragen satt den Schein von Reife.
Ahne blass, das trockne Darben
in den Tropfen auf der Seife.

Wie der suchend ferne Blick
nun in Ruh und gerne landet,
schweift er öfter auch zurück;
Wo er mal und mehr versandet.

Die Gedanken kehren heim,
haben weit voraus gefangen.
Tragen nun in sich den Keim
vom Verstehen, was vergeht.

Antwort auf die Impertinenz einer Scheinbaren

Wahrer, Macher, Revoluzzer,
Staatsmänner und Klinkenputzer,
schreiben nicht aus Wichtigkeit,
dafür fehlt die knappe Zeit.

Nur, wenn man in stillen Stunden
Schlüsselzeiten neu bedenkt,
wahr, geträumt oder erfunden,
spürt man wie das Leben lenkt.

Und, dass man dies anderen schenkt,
was man sich hernach ersonnen,
in den Rythmen und den Reimen,
um Essenzen zu verleimen,
hat man nicht aus Protz begonnen,
wie der Leser oft sich denkt.

Nein, es ist der Wunsch nach Sphären,
die dem Wissen Raum erschließen.
Soll das Wort zur Kenntnis gären,
darf es nicht im Kopf zerfließen.

Eine Pflanze aus Gedanken,
bahnt sich schöpferisch Gestalt.
An den Blättern und den Ranken
wünschen wir Betrachtern Halt.

Mag vielleicht des Lesers Regung
Scherung oder Nahrung geben,
dass wir dann mit neuer Prägung
Wege zur Erkenntnis leben.

Die Impertinenz einer Scheinbaren:
http://lyrische-zwischenzeilen.blogspot.com/2009/07/die-impertinenz-einer-scheinbaren.html

Wahre Liebe

Wahre Liebe kann nur leben,
aus Verlangen sich zu geben.
Nur im Teilen wird das Neue
für den ander’n mir zur Treue.

Und die Liebe, die so bindet,
stets in neues Leben findet.
Dieses schöpft aus alter Quelle
Liebe vor zu neuer Stelle.

Trommelfell

Leichte Schläge,
immer wieder,
gar nicht träge,
auf und nieder;

Manchmal holpernd,
selten leise,
wieder stolpernd,
sanfter Weise;

Bald ein Prügeln
auf das Helle,
nicht zu zügeln,
laut und schnelle,

treibt es Beulen,
und auch Wellen,
in die Haut
an vielen Stellen,

dann Dein Lachen,
dröhnt beim Schlagen,
lässt es krachen,
kein Vertragen!

Da! Sieh! Jetzt! Wie verletzt,
ist beim nächsten Schlag zerfetzt.
Machst das Trommelfell kaputt
- und ich höre wieder gut.

Des Toren linkes Ohr

Ein Tor verlor sein linkes Ohr,
ganz leise, unbemerkt und still.
Das kam ihm ziemlich seltsam vor,
warum sein Ohr nicht bleiben will?

Dies Ohr war ihm nicht wohl gesonnen,
von außen fing es nur den Schmutz.
nach innen ist er dann geronnen,
und drinnen hat er so gesponnen,
dass es fiel ab wie feuchter Putz.

So schritt er aus, es aufzufinden.
und fand es schlafend in der Sonn’.
Doch als er es wollt an sich binden,
flog es sogleich wieder davon.

Der Tor, der nickt bedeutungsschwer:
Was einmal war von Licht durchflossen,
das kommt zu einem Tor nicht mehr.
Er warf den Mund gleich hinterher,
das Auge hat sich angeschlossen.

So war sein Kopf nun wohl verschlossen
mit allem Schmutz, der drin verblieben.
Im Sonnenschein hat er genossen,
sich innerlich neu durchzusieben.

Und rechtes Auge, zweites Ohr,
verhielten sich mucksmäuschenstill,
dass nicht bemerkt, der brave Tor,
was er noch nicht im Dreck verlor.

Guantanamerika

Die Gefangenen sihind frei,
wer kann sie erwarten?
Sihi fliehen vohobei,
aus düsteren Staaten.

Kein Mensch will das wissen,
ein jeder wird beschissen.
eine Bleibe auf Palau sei:
Neu gefahangen und frei!

So ein netter Versuch

Ach, gute Laune, Morgenlicht,
flugs auf und hoch zum frischen Werken!
Und welche Kraft will ich bemerken!
Wird alles gut - ich glaub’ mir nicht.

Heh, Heh! Ich Zweifler, noch nicht wach,
tret ich mir schon das Bremspedal.
Soll fluten doch mein Jammertal
zum Freudensee vom Tränenbach!

Ich schieß mir dieses Bild zum Trumpf
mit Rucksack, Broten, Sonnenschein,
und spiel ihn aus, dann sitz ich fein,
im Kanu, Paddel - Lederstrumpf!

Alarm, ein Kentern, Wasserfall,
und Ruderschlag auf meinen Kopf!
Rechts Wecker und Toilettenschwall
und links vom Bett sitz ich, der Tropf.

Aschermittwoch

In den Ecken am Morgen steht gelber Geruch.
An den Bronzen und Brunnen der Urinstinkt auch
hat gepaart sich mit einem geglückten Versuch,
den es bunt treibt aus leuchtendem Sackgassenschlauch.

Und so schiebe ich ab durch die Mitte der Plätze,
diesen schlauchlos gereift teuren Kindersportwagen.
Halte Obacht, wohin ich die Tritte mir setze,
Will nicht mehr an Kamellen vom letzten Jahr nagen.

Magenmeditation

Aus innerem Platzen erblüht diese Hitze
und gast alle Spannung aus meinem Geflecht,
entzündet mich jetzt und verletzt meinen Sitze,
es gärt mir der Geist, meine Frische wird schlecht.

Getropft, was verstopft, von den inneren Hauben,
so glucker! und quill!, was vereist liegt im Grill.
Ein heißes Verstauben, den Sinnspinn zu rauben,
der sich, nur ich nicht, mir im Kopf haben will.

Es legt sich mir nieder, verwirrend und bieder,
so gleich und so gültig verbrennt mir der Müll.
Der Geist und der Körper verschmelzen sich wieder,
so still, dass ich gerne herumliegen will.

Das Gluckern zum Rauschen, zum Tosen gebiert!
Ein Schwellen der Ströme entleert sich geballt,
Geniert drauf gestiert, was sich plötzlich verliert,
Von Leere es hallt, fühl mich alt und so kalt.

Tut gut, diese Flut, ohne Wut, voller Mut,
verebbt sich so langsam in meinem Verblassen.
Gereinigt das Wünschen, das Denken, das Blut,
zwar schwach, doch schon eins, muss ich mich nicht mehr hassen.

Abschied für Immer

Dir glitzern Tränen im Gesicht,
Mein Blick stellt immer nur die Fragen
im uferlosen Sehnen nicht,
auch unerfüllt bleibt mir das Leid,
nichts treu und bindend mehr zu sagen.

Und jäh blitzt auf der Hoffnungsschimmer,
mich zweifelnd wieder neu zu quälen!
Ein Sprung im Glas verwächst sich nimmer,
er wächst im Missklang und im Streit;
bricht stur in Scherben, wer darf zählen?

Dein langer, letzter, lieber Blick
verwandelt sich in fremdes Starren.
Ich weiß, es gibt hier kein Zurück;
so süß gereift ist diese Zeit,
Gefühl lebendig zu verscharren.